Erfolg entsteht in der geistig-seelischen Dimension

Leben in einer beschleunigten Welt

Ein wesentlicher belastender Faktor für die Überforderung des modernen Menschen ist die stetig  steigende Informationsflut, die den Menschen beruflich wie privat in einer permanenten Standby-Position hält.

Mit der zunehmenden medialen Vernetzung aller Lebensbereiche, speziell durch das Internet, ist die Erwartung an den einzelnen Menschen stark gestiegen, für die Informationsgesellschaft, unabhängig von der zeitlichen und örtlichen Situation, immer verfügbar zu sein und auch verfügbar sein zu wollen.

Viele Menschen scheinen in einer Art Selbstversklavung mit ihrem Smartphone verwachsen zu sein. Sie entwickeln die Fähigkeit, auf mehreren Ebenen mit mehreren Personen gleichzeitig zu kommunizieren, was jedoch in der Konzentration des Sendens und Empfangens die kognitiven Funktionen überfordert und im Verarbeitungsprozess oberflächlich bleibt. Diese Überforderung führt zu einer permanenten Erhöhung der Grundspannung, die zwar Aufmerksamkeit, jedoch nicht Achtsamkeit signalisiert.

In der schnelllebigen Informationsgesellschaft haben viele Menschen das Gefühl schrumpfender Zeiträume und manche Analysten bezeichnen die veränderte Wahrnehmung eines Jahres auch als WEB-Jahr. Demnach entspricht ein Arbeitsjahr mit den Möglichkeiten des Internet, zwei bis drei Arbeitsjahren vor der Einführung des Internet. Diese Beschleunigung in den Lebens- und Arbeitsabläufen verdichtet nicht nur die Lebens- und Arbeitsprozesse, sie verdichtet auch den Energieeinsatz in den kognitiven Systemen.


Der Soziologieprofessor Hartmut Rosa erklärt die soziale Beschleunigung als ein sich selbst antreibendes System, das auf externe Antriebsmechanismen nicht mehr angewiesen ist. Die Kategorien – technische Beschleunigung, Beschleunigung des sozialen Wandels und die Beschleunigung des Lebenstempos – haben ein sich selbst verstärkendes System gebildet, das sich ohne Unterlass selbst antreibt.  


Die Geschwindigkeit der technologischen und sozialen Veränderungen reißt den Menschen in seinem Lebenstempo unaufhaltsam mit sich und erklärt das Gefühl der Getriebenheit, das sich in allen ökonomischen und sozialen Prozessen zeigt.

So fühlen sich viele Menschen ständig unter Druck, mit dem technischen und sozialen Wandel Schritt zu halten, um den Verlust potentiell vorteilhafter Positionen zu vermeiden und Ihre Wettbewerbschancen aufrechtzuerhalten.

Professor Rosa bezeichnet diese existentielle Selbstwahr-nehmung als „Phänomen der rutschenden Abhänge“ in der Wettbewerbsgesellschaft:  „Der im Wirtschaftssystem agierende Mensch kann sich keine Pause gönnen und ausruhen, das Wettbewerbsrennen unterbrechen und seine erreichte Position stabilisieren.  Es gibt keinen Punkt des Gleichgewichts, denn Stillstand bedeutet ein Zurückfallen im Wettbewerb. Dieses Problem wird dadurch verschärft, dass es in einer Welt stetigen Wandels immer schwieriger wird zu entscheiden, welche Optionen und Entscheidungen sich schließlich als sinnvoll erweisen werden“.

Der beschleunigte soziale Wandel führt somit zu einer Beschleunigung des Lebenstempos, was wiederum zur technischen Beschleunigung führt, um die Prozesse  der Produktion, Kommunikation und des Sozialgefüges in ihrer Effizienz den veränderten Lebensbedingungen anzupassen und weiter zu optimieren. Und das Rad der Schnelllebigkeit gewinnt weiter an Tempo, denn die technischen Innovationszyklen sind schon heute in vielen Bereichen schneller als die Ausbildungszyklen. Dieser dynamische Beschleunigungsprozess erweist sich somit als ein sich selbst antreibendes System.