P S Y C O N S I L I U M

Erfolg entsteht in der geistig-seelischen Dimension

Dysfunktionale Denkmuster im kognitiven Bewertungssystem 

  


Es sind überwiegend nicht die beruflichen und privaten Situationen und Lebensumstände selbst, die als äußere Faktoren Stress auslösen. Es sind vielmehr unsere kognitiven Programmierungen, unsere innere Haltung, unsere Ein-stellungen, Wünsche und Ansprüche, unsere Ängste, Befürchtungen, und Unsicherheiten. Es sind die wenig trainierten oder fehlenden  sozialen Kompetenzen, die unsere Lebens-bewältigung vor allem in Krisenzeiten einschränken.   Es ist unser individuelles Denkmuster, unser kognitives Bewertungs-system, das belastende Situationen funktional oder dys-funktional bewertet und eine Situation annimmt oder ablehnt. Somit entsteht Stress nicht nur aus der von außen einwirkenden Belastung, sondern vor allem aus der individuellen Betrachtung und Bewertung, die für die emotionale Einfärbung der Situation und die daraus resultierenden Verhaltensmodalitäten, verbal und nonverbal  verantwortlich ist. 

Im Stressmodell nach Lazarus wird Stress als transaktionales Ergebnis gesehen, bei dem die subjektive Bewertung von Anforderungen und deren Bewältigung eine zentrale Rolle spielt. Hierbei wird zwischen primärer Bewertung und sekundärer Bewertung unterschieden.

Stresssituationen können demnach in drei verschiedenen Abstufungen primär bewertet werden: als Herausforderungen, als Bedrohungen oder als Schädigung. Die sekundäre Bewertung prüft anschießend, ob die Situation mit den verfügbaren Ressourcen (innere und äußere Energiequellen) bewältigt werden kann. Reichen die vorhandenen Ressourcen nicht aus und sind keine adäquaten sozialen Kompetenzen vorhanden, wird eine Stressreaktion ausgelöst.

Die sekundäre Bewertung bezieht sich also auf die Fähigkeiten und Motivationen zur Bewältigung einer Situation. In Abhängigkeit dieser Bewertungsprozesse kommt es zum Bewältigungsverhalten (Coping). Darunter werden die individuellen sozialen Kompetenzen verstanden, kognitive, emotionale und verhaltensbezogene Prozesse, die eine Stresssituation ändern, reduzieren oder beenden.

Stresssituationen durchlaufen also kognitive Bewertungs-systeme, was überwiegend  unbewusst geschieht. Der gefor-derte Energieeinsatz wird mit den inneren (subjektiven) und äußeren (objektiven) Energiequellen abgeglichen, was die Emotionsmechanismen Gerecht oder Ungerecht, Sympathie oder Antipathie, Begeisterung oder Versagensangst auslöst. Je nach Bewertung wird die Stresssituation innerlich angenommen oder ablehnt.

Bei einer Ablehnung kommt es zu einem inneren Widerstand, das heißt, der Betroffene arbeitet mit angezogener, emotionaler „Handbremse“, was bei gleichzeitigem Energieaufwand bei der Bewältigung der Situation zum „Verschleiß“ führt. Da alle Systeme, das kognitive, das emotionale und das somatische miteinander in Wechselwirkung stehen, kann es bei anhaltender, widerwilliger Belastung zu einem Erschöpfungssyndrom (Burnout) kommen.

Jeder Mensch hat die freie Entscheidung,  Situationen, sein soziales Umfeld  oder Objekte nach seinem Empfinden zu bewerten, ob er sie anziehend oder abstoßend, angenehm oder peinlich, harmlos oder gefährlich findet. Das bedeutet, dass letztlich jeder selbst bestimmt, wie er z. Bsp. in einer Interaktion emotional reagiert. 


Wahrnehmung, innere Bewertung, Emotionen und Verhalten. Um die Realität zu verstehen und situationsgerecht zu reagieren und zu agieren, durchlaufen die eingehenden Sinnes-wahrnehmungen unser kognitives Bewertungssystem. Das heißt, wir müssen den Vorgang inhaltlich erkennen und verstehen, um mit angemessenen emotionalen Reaktionen und Verhaltens-weisen zu reagieren. Diese inneren, kognitiven Vorgänge der situativen Bewertung, laufen überwiegend unbewusst  und blitzschnell ab, was jedoch zu einer bewusst wahrnehmbaren Veränderung unserer Gefühle führt. 

Psyconsilium
Psyconsilium












Wir erleben in angenehmen Situationen, die wir in ihrem Realitätsbezug auf Grund passender kognitiver Einstellungen richtig erkennen und funktional bewerten, Gefühle der Freude, Begeisterung, Liebe, Zuneigung und Glück.  Bei dysfunktionalen, verzerrten Gedankenmustern, werden durch inadäquate Bewertungsmuster emotionale Reaktionen ausgelöst, die der Situation nicht angemessen sind. Somit entstehen Gefühle wie innere Unruhe und Aufregung, Angst, Beleidigt sein, Ohnmachtsgefühle, Selbstzweifel, Selbstschwäche, Minder-wertigkeitsgefühle, Wut und Aggression. Die Gefühle wiederum bestimmen und steuern unsere Verhaltensweisen, mit denen wir auf die Situation motorisch reagieren, wozu auch der verbale Ausdruck zählt.  

Auf den neuronalen Trampelpfaden unseres Denkens glauben wir die Lebenssituationen, das soziale Erleben in der Realität angemessen wahrzunehmen. Wir bewerten Situationen nach unseren  individuellen, kognitiven Einstellungen, die unser  Bewertungssystem beeinflussen,  in dem die individuelle Sicht-weise der Dinge und Situationen entsteht.  Das macht uns so einzigartig, so verschieden, so individuell. Wir erkennen unser Leben aus dem Blickwinkel unserer Gewohnheiten, unserer inneren Einstellungen und Vorstellungen.

Selbständig denkende Menschen können nicht zu bestimmten Werturteilen gezwungen werden. Sie können sich zwar mehr oder weniger bewusst und wohl überlegt vorherrschenden Normen und Meinungen ihrer Umwelt anpassen, sie müssen es aber nicht.  Jeder bestimmt seine Emotionen durch seine Werturteile und ist deshalb auch selbst dafür verantwortlich, wenn er sich in einer Situation ängstlich, traurig, ärgerlich, wütend, niedergeschlagen oder gelassen fühlt. Auch für belastende, krankmachende Emotionen sind nicht bestimmte Personen, Ereignisse und Situationen verantwortlich, sondern die eigenen bewussten und unbewussten Werturteile.