P S Y C O N S I L I U M

Erfolg entsteht in der geistig-seelischen Dimension

Körperhaltung bei der Meditation


Neben der Stillen Meditation, die im Sitzen oder Liegen, bewegungslos durchgeführt wird, gibt es Formen der Bewegten Meditation, die vor allem beim Yoga, beim Tai-Chi und beim Chi-Gong mit den körperlichen Bewegungsmustern verbunden wird. Für die mentale Selbstregulation konzentrieren wir uns jedoch auf die Stille Achtsamkeitsmeditation.

Tragen Sie bequeme Kleidung und lockern Sie einengende Gürtel und Bünde. Meditieren Sie nicht direkt nach einer Mahlzeit, da ein voller Bauch zwar Ruhe verträgt, die freie Zwerchfellatmung jedoch erschwert.

Bei der Meditation ist eine bewusste, aufrechte Körperhaltung die ideale Position, in der wir wach und gleichzeitig tief entspannt sein können. Im Liegen zu meditieren hat meistens den Nachteil, dass es schwierig ist wach zu bleiben und die örtliche Flexibilität nicht gegeben ist. Im Sitzen kann man nahezu an allen Orten meditieren, ob in öffentlichen Verkehrsmitteln, im Büro, auf der Parkbank, beim Essen oder auf der Wiese.

Ob wir uns beim Meditieren auf einen Stuhl ohne Armlehnen setzen oder im klassischen Meditationssitz mit gekreuzten Beinen (Schneidersitz), im Lotussitz oder im halben Lotussitz positionieren, ist für den Erfolg der Meditation unwesentlich. Wichtig ist hingegen, dass wir aufrecht sitzen, denn eine aufrechte, entspannte Körperhaltung überträgt sich auf die mentale Haltung, die wir beim Meditieren einnehmen. Sitzen wir hingegen mit herunter hängenden Schultern und einem runden Rücken, werden wir nur sehr schwer eine selbstbewusste geistige Haltung einnehmen können.

Wenn Sie gelenkig sind und eventuell jahrelange Yoga-Erfahrung haben, haben Sie eher die Fäghigkeit auf dem Boden zu sitzen. Dabei sitzt das Gesäß leicht erhöht auf einem Kissen. Dadurch ist das Becken erhöht und die Knie können besser den Boden berühren. Dadurch wird die Sitzposition stabil und Sie fühlen sich durch den Kontakt zum Boden geerdet.

Lotussitz

Es ist eine aufrechte Sitzposition mit überkreuzten Beinen. Die Füße liegen dabei jeweils auf den Oberschenkeln des anderen Beines und zeigen eine symetrische, ausgewogene Haltung nach oben. Das Becken ist somit weit geöffnet und die Knie berühren den Boden.  Um diese Sitzposition einnehmen zu können, müssen Sie sehr gelenkig sein. Zwingen Sie sich niemals in diese Sitzposition!

Halber Lotussitz

Beim einfachen Lotussitz liegt nur ein Fuß auf dem anderen Oberschenkel. Der andere Fuß bleibt am Boden. Diese Sitzposition ist zwar leichter, aber für Anfänger und Ungeübte dennoch schwierig und dementsprechend nicht frei von Risiken.

Burmesischer Sitz

Die Beine sind gekreuzt, die Füße liegen dabei auf dem Boden und berühren im Fersenbereich das jeweils andere Bein. Auch hierbei ist das Becken weit geöffnet und die Knie berühren den Boden.

Für die meisten Europäer ist jedoch der Lotussitz, aber auch der halbe Lotussitz, sowie der Burmesische Sitz nicht ratsam und birgt vor allem für die Kniegelenke nicht zu unterschätzende Gefahren. Langes Sitzen in einer für uns Europäer unüblichen und ungewohnten Haltung setzt ein Training der Gelenke von Kindesbeinen voraus. Wir sind jedoch mit diesen Traditionen nicht aufgewachsen.

Von extremen Sitzpositionen rate ich dringend ab, da die Belastungen zu irreversiblen Schädigungen der Gelenke führen können! Beim Sitzen auf dem Boden ist der einfache Schneidersitz, in lockerer, gekreuzter Beinhaltung eher zu empfehlen, als die Lotussitz-varianten. Aber auch hier gilt, dass man beim Spüren von unangenehmen Spannungen oder gar Schmerzen in den Hüft- und vor allem den Kniegelenken, die Sitzposition verlässt und in eine Position ohne körperliche Alarmsignale wechselt. 

Empfehlenswert: Ägyptischer Sitz

Langes Sitzen in einer für uns Europäer unüblichen Haltung schreckt viele an der Meditation Interessierte ab, da die körperliche Belastung kontraproduktiv und für viele Menschen auch kontraindiziert ist. Eine ideale Meditationshaltung für Menschen der westlichen Gesellschaften, die es selten gewohnt sind auf dem Boden zu sitzen, ist der sogenannte Ägyptische Sitz.

Hierbei sitzen die Meditierenden auf einem Stuhl. Mit aufrechtem Oberkörper, das Kinn leicht zum Brustbein gezogen, bildet der Körper in den Hüft- und Kniegelenken jeweils einen rechten Winkel. Das Kreuzbein ist hierbei leicht gegen die Rückenlehne des Stuhls gedrückt. Der Rücken hingegen bleibt frei in aufrechter Haltung und berührt die Rückenlehne nicht. Die Füße stehen fest auf dem Boden. Altägyptische Statuen zeigen häufig diese aufrechte Sitzhaltung, die Ruhe und Würde ausstrahlt. Nach fernöstlichen Traditionen ist die freie, aufrechte Position der Wirbelsäule eine wesentliche Voraussetzung für das Aufsteigen der Energien. Aber auch in der westlichen Psychologie hat eine aufrechte Körperhaltung einen positiven Einfluss auf kognitive Prozesse. Bei Anfangsproblemen kann der Rücken auch in aufrechter Haltung angelehnt werden, bis die freie Sitzhaltung eingeübt ist.

Bei jeder Sitzposition ist es wichtig, dass die Körperhaltung als angenehm empfunden wird und keine Belastung darstellt. Je nachdem, wohin die Aufmerksamkeit gelenkt wird, sollten alle Körperbereiche angenehm wahrnehmbar sein, oder in der Versunkenheit aus der Wahrnehmung entschwinden. Wenn in der tiefen Meditation der Körper nicht mehr spürbar ist, haben wir eine Haltung gefunden, die in der tiefen Harmonie von Körper, Geist und Seele unseren Gesamtorganismus in eine gesunde Balance geführt hat. Seien Sie in Ihrer Sitzposition aufrecht aber entspannt, ausgewogen, geerdet und würdevoll.

Die Hände können auf die Oberschenkel oder die Knie gelegt werden. Wenn die Handflächen nach oben gerichtet sind, bedeutet es, dass wir eine offene, nach außen gerichtete Haltung einnehmen. Legen wir die Hände mit den Handflächen nach unten ab, soll es eine geschlossene, nach innen gerichtete Haltung signalisieren. Wir können die Hände aber auch ineinander in den Schoss legen, sollten jedoch immer darauf achten, dass die Schultern geöffnet bleiben.