P S Y C O N S I L I U M

Erfolg entsteht in der geistig-seelischen Dimension

Entschleunigung durch Meditation

Vielen Menschen gelingt es nicht, in der schnelllebigen Alltagswelt Zeit und Ruhe zu finden, um über Richtung und Sinn des eigenen Lebens nachzudenken. Wenn wir uns selbstkritisch betrachten stellen wir fest, dass wir allzu häufig ziellos durchs Leben gehen. Zu viele Menschen lassen sich treiben und manipulativ leben, ohne Ihrem Leben selbstbestimmt Ziel und Richtung zu geben. So erkennen sie auch nicht den Sinn, der in Ihrem Leben verborgen ist. Aber wo liegt der Sinn unseres Daseins, in welche Richtung müssen wir gehen?  Unser Leben bietet uns in allen Bereichen eine Fülle von Antworten.

Nur dann, wenn wir lange genug innehalten, die Antworten bewusst wahrnehmen, erkennen und würdigen, erfüllt sich unser Leben von selbst mit dem Sinn, den wir suchen. Wir müssen uns auf unser Leben einlassen, es achtsam und bewusst führen, es mit allen Sinnen in der Gegenwart und Realität wahrnehmen. 

Die achtsame Konzentration auf das Wesentliche, auf die momentane Anforderung, die uns das Leben stellt, bedeutet im Kern, im wachen Bewusstsein unseres Verhaltens und Handelns auf die Forderung einer Alltagssituation adäquat und erfolgreich zu reagieren, auf Fragen die uns das Leben stellt entsprechend zu antworten, eine Lebenssituation bewusst zu verantworten.

Zu viele Menschen lassen sich von der Routine ihrer Alltagsgewohnheiten leiten, erscheinen wie programmiert und auf ein Gleis gestellt. Sie durchleben ihren Alltag in unbewusster Abwesenheit von der Gegenwart. Die Aufmerksamkeit verliert sich allzu häufig, wenn in der Tagesroutine die bewusste Wahrnehmung in den Gedankenströmen der Vergangenheit oder imaginärer Lebenswelten und Wunschträumen verschwimmt. 

Wenn unser Denken in die Vergangenheit oder die Zukunft gerichtet ist, nehmen wir die Gegenwart in ihrer Bedeutung für unser Leben nicht mehr bewusst wahr. 

Wir sind dann nicht in der Lage, den Aufgaben die uns unser Leben stellt, auf die wir uns eingelassen haben, die wir verantwortlich übernommen haben, mit der notwendigen,  wachen Aufmerksamkeit zu begegnen. 

Bewusst und achtsam zu leben im Hier und Jetzt hat nichts mit anstrengender Konzentration zu tun. In der Gegenwart zu sein bedeutet, die eigenen Gedanken und Gefühle, das eigene Verhalten und Handeln bewusst und achtsam wahrzunehmen. Dysfunktionales Verhalten entsteht durch dysfunktionale Emotionen, die uns durch dysfunktionale Gedanken in Turbulenzen bringen. Wenn wir jedoch bewusst am Leben teilnehmen, begegnen wir dem Leben in der Familie und am Arbeitsplatz, interpersonellen Auseinandersetzungen und Lebenskrisen, aber auch Lebensfreuden mit hellwacher Aufmerksamkeit und können besser reagieren und situations-gerechter handeln. Diese Fähigkeit der achtsamen Wahr-nehmung können wir mit den Methoden der Meditation erlernen. 

Die persönliche Freiheit liegt zwischen Reiz und Reaktion. In diesem Satz sind die verschiedensten positiven Veränderungen zusammengefasst, die sich durch die erlernte Achtsamkeit einstellen. Die automatische  Reaktion auf Reize wird durch die Möglichkeit erweitert, innezuhalten und eine selbstfürsorgliche Denk- und Handlungsweise auf dem neuen Weg der Achtsamkeit unmittelbar zu etablieren. Wir verändern mit dieser stress-reduzierenden Sichtweise nicht unsere Persönlichkeit, sondern werden lediglich weniger sprunghaft und angespannt. Wir nehmen diese Erfahrungen auf dem neuen Weg bewusst wahr und gelangen leichter zu der Überzeugung, dass die Reaktion auf einen Reiz sich angemessen und situationsgerecht steuern lässt.

Die achtsame Wahrnehmung von körperlichen und geistigen Prozessen führt dazu, konditionierte und automatisierte Denk- und Verhaltensweisen sowie Körperhaltungen zu erkennen. Das Ziel im Erlernen von Achtsamkeit liegt nicht darin, die wachen Stunden des Tages konstatierend, kontinuierlich annehmend und konzentriert zu sein. Das Ziel ist es, durch eine Um-konditionierung Folgendes zu bemerken: 

  •  „In dieser Situation wollte ich nicht mehr bewerten….“
  •  „In diesem Moment wollte ich langsamer essen….“
  •  „In dieser Situation wollte ich aufrecht sitzen…..“
  •  „In dieser Situation wollte ich zuhören….“
  •  „In dieser Situation wollte ich für mich sorgen….“

Durch diese achtsamen Sätze lässt sich die konditionierte, automatische Reaktion unterbrechen und situationsgerecht ändern. Das Ziel von Achtsamkeit ist es, sich vom automatischen Reagieren zu distanzieren und sich in die Lage zu versetzen, im Hier und Jetzt selbstfürsorglich angemessene Reaktionswege in der bewussten, aufmerksamen Wahrnehmung zu wählen. Dadurch entsteht Gelassenheit und ein Kohärenzgefühl, das durch die Balance des vegetativen Nervensystems (Sympathikus und Parasympathikus) erzeugt wird.  

Somit erfahren wir Entschleunigung in der Resonanz, die uns in der meditativen, achtsamen Wahrnehmung ein realistisches Bild von den Situationen, den Dingen und Personen widerspiegelt. 

„Entschleunigung bedeutet hierbei, in eine andere Beziehung zu unserer Umwelt zu treten, eine andere Art des In-die-Welt-gestellt-seins“, erklärt  der Soziologieprofessor Hartmut Rosa. In der aufmerksamen, bewussten Wahrnehmung erfahren wir die Resonanz gegenwärtiger Lebensabläufe in ihrer Realität. Muße als meditative Ausrichtung kann uns helfen, in eine achtsame Realitätsbeziehung zu gelangen. Dafür müssen wir jedoch fähig und bereit sein, unwichtiges loszulassen, denn weniger ist mehr, mehr Resonanz in der tiefen Beziehung zu den Personen und Dingen unserer Welt.